Warum ASIAROPA?


  • Asien in Europa entdecken: Mehr und mehr asiatische Fachkräfte werden zu Mitbürgern. Von Yoga bis Sushi gehört Asien zu Europas Alltag. Wissen über Asien  gehört daher in europäische Bildungssysteme - von der Schule, über die Hochschule bis in den Beruf. Asien hat viel von Europa gelernt - und in Entwicklung umgesetzt, Europa bisher viel zu wenig, daher: Von Asien das "Lernen lernen", damit Europa besser wird. 


  • Den Blick wechseln: Aus asiatischer Sicht sieht die Welt anders aus  - die Perspektive von Osten nimmt uns selbst in den Blick. Das Gemeinsame überrascht oft, das Andere erfordert neues Denken. 


  • Gemeinsame Stärke nutzen: Asien und Europa vereinigen zusammen fast zwei Drittel der globalen Wirtschaftsleistung auf sich. Darin steckt noch viel Entwicklungspotenzial.


  • Asiatische Dynamiken und Chancen verstehen: Die Entwicklungen gehen zunehmend von Asien aus und innerasiatische Vernetzungen schaffen neue Chancen und Kooperationsmöglichkeiten auf vielen Feldern in Wirtschaft, Politik, Bildung und Kultur.


  • In Asiens Ökosysteme hineindenken: Neue Märkte, Infrastrukturen und Entwicklungen in Asien wachsen schnell - europäisches Erfahrungen und Innovationen helfen, sie besser zu machen. Hier liegen große Chancen für Zusammenarbeit.


  • Asien fühlen und entdecken: Erfolge mit anderen Kulturen benötigen Empathie für das Andere. In einer Welt, in der alles entdeckt scheint, muss das Entdecken wieder möglich werden. Die Welt ist nicht "flach" - Asien schon gar nicht.


  • Partnerschaftliche Kompetenz nutzen: Mit meiner Erfahrung, meinem Asienwissen, meiner Begeisterungsfähigkeit und innovativen, lebendigen Vermittlungsmethoden unterstütze ich Sie dabei, "asiaropäisch" zu denken und die vorgenannten Punkte erfolgreich umzusetzen.




 

DAS WEST-OST BILDUNGSDEFIZIT BEKÄMPFEN

50 Jahre Beziehungen zwischen China und der EU im Jahr 2025 sind auch ein guter Anlass über Herausforderungen in der Bildung nachzudenken. Bisher sind China und andere asiatische Kulturen in der Schul- und Weiterbildung kaum vertreten. Chinakompetenz ist ein Hochschulthema, doch breitere Asienkompetenz über Entwicklungen zwischen asiatischen Staaten und die Bedeutung für Europa kaum. In China droht dagegen Saturierung: Junge Menschen interessieren sich immer weniger für alles Nicht-Chinesische. Darüber und über anderes sprach ich im Sommer 2025 mit Chinas Online-Medium The Paper. 
 

 

 

DAS DEUTSCHLANDBILD IN ASIEN: Das Deutschlandbild in China

Varvara Chigrin, eine meiner Shanghaier Studierenden, hat im Rahmen meines Seminars zum deutsch-chinesischen Austausch gerade eine interessante Kursarbeit zum Deutschlandbild in China veröffentlicht. Ihr Ergebnis:

Chinas Deutschlandbild bleibt beharrlich positiv.

„Made in Germany“ steht für Qualität, technische Zuverlässigkeit, Präzision und Planbarkeit, selbst in einer Zeit, in der sich Deutschland in einigen dieser Bereiche tatsächlich schwer tut. 

Eigenschaften wie Fleiß, Pünktlichkeit, Ordnung und technische Kompetenz dominieren in der Wahrnehmung noch immer und werden konstant mit Deutschland assoziiert - trotz genannter Negativerfahrungen in Deutschland wie mangelhafte Infrastruktur, informationstechnologische Rückständigkeit oder konstant verspäteter Züge.

Besonders interessant ist die Erklärung dieses beharrlichen "Positivbildes":
Frau Chigrin betont, dass das positive Deutschlandbild auch eine Gesellschaftskritik am eigenen System enthält, Deutschland eher zu einer Projektionsfläche für "Ideale" wird als, dass ein "reales Bild" Deutschlandlands gezeichnet wird. Dazu passt, dass Menschen in China Deutschland als Synonym für wichtige Werte hervorheben, die sie an der eigenen Gesellschaft vermissen: Planbarkeit, Rechtssicherheit, flache Hierarchien. 

Ein Deutschlandbild, das als indirekte Kritik an den Mängeln der eigenen Gesellschaft gilt, steht - abgesehen von seinem positiven Charakter- im Gegensatz zu den jüngeren Ergebnissen, die Studien zum Chinabild in Deutschland vermitteln: Eine Studie der Körber-Stiftung von 2023 (The Berlin Pulse) belegt, dass sich eine Mehrheit eine schnelle Veränderung der wirtschaftlichen Abhängigkeit in China wünscht, sogar, wenn dabei deutliche wirtschaftliche Nachteile in Kauf genommen würden: "Weg von China" hat demnach für viele Priorität. Interessant: Die jüngeren deutschen sehen laut Körber-Studie in China aber als "Wettbewerber" eine Herausforderung, der sie sich stellen möchten, anders als die "Älteren", die eher eine Abwendung von dem Rivalen und Russlandfreund China wünschen. 

Noch eine letzte Beobachtung: In den 2010er Jahren wurden regelmäßig Studien zum China- und Deutschlandbild z.B. von der Firma Huawei in Auftrag gegeben (die letzte 2016). Diese Studien gibt es nicht mehr - generell droht das gegenseitige Interesse deutlich zu schrumpfen...

 

 

ASIATISCHES MIKADO: Die Asien-Trends vom 21.-28.4.2025

Diese Themen haben mich in den letzten Wochen beschäftigt: Donald Trumps Politik wirbelt auch Asiens Innenbeziehungen durcheinander. In den vergangenen Aprilwochen besuchten sowohl Chinas Präsident Xi Jinping und Japans Premierminister Ishida Shigeru Südostasien. Chinas Botschaft ist klar: Willkommen in der asiatischen Familie: „Versucht Euch von Euren US-Abhängigkeiten zu lösen und entdeckt den chinesischen Binnenmarkt.“ 

Trumps US-Zollpolitik trifft besonders Malaysia, Kambodscha und Vietnam. Gerade Vietnam zeigt während Xis ASEAN-Reise mit 45 neuen Absichtserklärungen und Verträgen zur Kooperation eine schon länger währende verstärkte Annäherung an den einstigen Kriegsgegner China. 

Hier wird eine enge wirtschaftliche und zunehmend auch politische Kooperation entstehen, die es zu beobachten gilt. Xi hatte Anfang April zu einer Konferenz mit Chinas Nachbarstaaten eingeladen, um Bewusstsein für eine „Asiatische Familie“ zu gründen. Familie spielt in Asien nach wie vor eine große Rolle.

 

Japan hingegen kam vor China nach Südostasien (ASEAN). Infrastrukturprojekte und sicherheitspolitische Kooperation standen im Fokus. Japan ist genau wie China immer abhängiger von guten Beziehungen zu den „kleineren“ Nachbarn im Süden. Beide müssen zunehmend um die Gunst ASEANS buhlen, während ASEAN selbst die beiden „Großen“ benötigt, zuletzt China offenbar mehr als Japan. Daher war Ishida seit Oktober 2024 bereits dreimal dort. 

 

Auch unter Ostasien provoziert Trump mehr Zusammenschluss: Südkorea, traditionell wichtiger Handelspartner Chinas, veranstaltet in  diesen Tagen seine „Korea Welcome Week“ (25.4.-16.5.), die auch China als Partner im Fokus hat. Kein anderes Land importiert mehr aus Korea als China. China als Importland – mal etwas anderes. 


Schon Anfang April trafen sich die Außenminister Japans, Südkoreas und Chinas in Tokyo: Auch hier: Donald Trumps erratische Politik provoziert neue Zusammenschlüsse. Ein trilaterals Freihandelsabkommen soll vorangetrieben werden.

 

Schließlich noch ein Blick nach Südasien: Während Apple, Google und Co Produktion von China nach Indien wegen der Zollproblematik verlagern wollen, ist das stärker „hindu-national“ eingestellte Indien in der Region immer mehr isoliert. Zuletzt begrüßte Bangladeshs Top-Berater und Nobelpreisträger Muhammad Yunus mehr Kooperation mit China: in Allianz mit Sri Lanka, Pakistan und Nepal. Die Frage ist wie sich die angekündigte Wiederannäherung Indiens and China sich vor diesem Hintergrund gestaltet.

 

 Und auch die Türkei muss „asiatische Federn“ lassen: Die turksprachigen Partnerländer Zentralasiens bauen immer stärker ihre Beziehungen zu China UND der EU aus. Türkische Politik, wie die Unabhängigkeit Nordzyperns als türkische Republik etwa, haben sie gerade abgelehnt. 

Wird es wirklich Frühling?


"Der Frühling der indisch-chinesischen Beziehungen wird kommen" verkündete Chinas Generalkonsul in Kalkutta, Xu Wei. Anlass der frischen Frühjahrswinde zwischen Delhi und Peking sind 75 Jahre diplomatischer Beziehungen, die am 1. April 2025 offiziell gewürdigt werden sollen. Indien und China sind somit seit ihrer Gründerzeit als Staaten in ihrer heutigen Form miteinander diplomatisch verbunden. Und das trotz der Grenzkonflikte in Galwan/Tibet 2020, die fast ein Kriegsszenario zwischen beiden heraufbeschworen hätten. Soldaten starben auf beiden Seiten.
Jetzt geht es um die Zukunft: Fast 120 Milliarden US$ bilateraler Handel 2024 fordern die Wiederaufnahme direkter Flüge, die damals eingestellt wurden. Hinzu kommt Einvernehmen gegenüber der Risiko-USA mit Donald Trump. Der "globale Süden" so verlautete es aus Delhi, muss mit China und Indien an der Spitze enger zusammenwachsen, um eine stabile Entwicklung unabhängig vom volatilen Westen umzusetzen. Die übrigen BRICS-Staaten sind dazu eingeladen - und sicher wird auch Shanghai mit der Shanghai Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) dabei auch eine Rolle spielen. Umso wichtiger, die indisch-chinesischen Beziehungen mit Asiaropa genau zu beobachten - in der möglichen Bandbreite ihrer Entwicklungen.





Der Ortswechsel des Denkens (2)

Warum sollen wir Eure Kriege und Eure Probleme als bedeutsam empfinden, wenn Ihr unsere Entwicklungen auch nicht als bedeutsam und beachtenswert empfindet? Asien fordert eine Gegenseitigkeit der Wahrnehmung und möchte sich nicht von Problemen und Konflikten vereinnahmen lassen, die nicht seine eigenen sind. Der Ukraine-Krieg ist das prominenteste Beispiel dafür. Wer interessiert sich für den Krieg im Yemen, das Schicksal Belutschistans oder selbst das China-Taiwan-Problem, wenn nicht eigene amerikanische oder europäische Interessen betroffen sind?

Der Ortswechsel des Denkens (3)

Die Krise Europas liegt in seiner zunehmenden Selbstisolation, ohne diese wirklich zu bemerken.Schuld daran sind nicht nur Trump, Putin, Xi, Modi und Co, sondern unser europäisches Versäumnis weder den europäischen Bundesstaat, noch den "Nichtwesten", sprich Asien und Afrika, als unausweichliche Handlungswege in den Mittelpunkt gestellt zu haben. Bücher, die den Ortswechsel mit facettenreichen asiatischen Innensichten anfüllen, sind für diese Herausforderung sich im doppelten Sinne "neu zu bilden" besonders wertvoll.

Der Perspektivwechsel (1)

Donald Trump hat uns die Chance geboten, wieder zu uns selbst zu finden. Zu unseren Wurzeln in Asien und zu den Möglichkeiten, die sich für eine gemeinsame Zukunft ergeben.

Leider ist unser Blick konservativer denn je: Wir schauen weiterhin von West nach Ost. Die Gefahr, einen neuen "eisernen Vorhang" gen Osten zu errichten, ist größer denn je. Europa ist weit davon entfernt, seine Nationalstaaten aufzulösen und zu einem Bundesstaat zu werden. Asien bleibt Markt und Produktionsstandort, kein Ausgangsort auf eine neue gemeinsame Perspektive auf die Welt.


Der Perspektivwechsel (2)

Was muss geschehen? Dringend notwendig ist es einen "Ortswechsel des Denkens" (Francois Jullien) vorzunehmen, 换位思考 huan wei si kao - wie die Chinesen das nennen. 

Deutsche und Europäer sollten diesen Ortswechsel jetzt vollziehen: Es lohnt sich von Asien, von Osten her auf die Welt und ihre Entwicklungen zu schauen. Vom veränderten Standpunkt erkennt man neue Perspektiven, Chancen, nicht nur im wirtschaftlichen, auch im politischen und kulturellen Bereich. Das macht den Perspektivwechsel so wertvoll. Er kreiert ASIAROPA -  statt "Europa und Asien", statt "West und Ost".


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